KLICK-Blog
Querdenken verboten
Eine kleinkarierte "Wortmarke"Siemens, Mercedes, Coca-Cola - jeder kennt sie. Und jeder weiß, dass diese Worte geschützt sind. Hätten Sie aber auch gedacht, dass das Wort "Querdenker" ebenfalls ein beim Patent- und Markenamt eingetragenes Zeichen ist? Das jedenfalls musste jetzt Elita Wiegand vom Business-Club "innovativ.in" erfahren.
"Eine Firma steht im Markenregister beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingetragen als Inhaberin der Wortmarke "Querdenker". Die Firma monopolisiert das Wort "Querdenker" für Druckereierzeugnisse, Werbung und Ausbildung."
Seit 2005 heißt der Business-Club in seiner Subline "Business-Club für Innovatoren, Wertschöpfer und Querdenker". Elita hat über viele Jahre einen Querdenker-Blog geführt, Business-Foren unter dem Titel "Querdenker-Forum" veranstaltet und zuletzt ein Video mit dem Titel "Querdenker-Talk" als Interview veröffentlicht. Niemand hat sich daran gestört. Doch nun ändert sich das. Denn die Firma droht jedem, der das Wort "Querdenker" nutzt, eine Unterlassungserklärung. Der Streitwert liegt bei 50 000 Euro! Unvorstellbar: Ein gängiges Wort, das im Duden steht, 280 000 Einträge bei Google hat, wird einfach aus unserem Sprachgebrauch gestrichen.
Stellen Sie sich vor, jeder von uns würde sich ein deutsches Wort patentrechtlich schützen lassen. Wir wären sprachlos. Denn es reichen schon 120 000 Menschen, um den gesamten Duden mit leeren Seiten erscheinen zu lassen.
Wie viele Worte sind denn schon geschützt? Muss ich bei jedem Satz, den ich schreibe, vorher das Patentamt checken, ob ich das Wort auch nutzen darf? Ab wann gehört es zum Allgemeingut? Ich finde, der Begriff "Querdenker" sollte jedem Menschen gehören dürfen. Ich liebe es - oder darf ich das auch nicht mehr sagen?
Elita Wiegand jedenfalls wird sich wehren. Sie beabsichtigt, die Löschung der Wortmarke Querdenker beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) zu beantragen. "Für mich gehört das Wort "Querdenker" zum normalen Sprachgebrauch", sagt sie.
Elita Wiegand, du hast unsere volle Unterstützung.
Vorhandene Kommentare
Alexander aus München
Mittwoch, 27. 01. 2010 22:01
EINSCHÄTZUNG
zum Kommentar von Herrn Ehrl, ebenfalls Copy-Paste aus dem innovativ.in-Blog:
zu 1: Meines Wissens nach ging die Initiative nicht, wie von Herrn Ehrl suggeriert, von Frau Wiegand aus.
zu 2: Das sehen die Abgemahnten naturgemäß anders.
zu 3: Suggieriert, dass Herr Ehrl der Urheber des Begriffs Querdenker ist oder er der erste war, der geschäftsmäßig Veranstaltungen mit diesem Begriff im Titel oder Untertitel angeboten hat. [Einschub: Dazu wurde vom Vorredner alles gesagt]
zu 4: Ach kommen Sie, Herr Ehrl.
zu 5: Lobenswert. Hat aber trotzdem nichts mit der hier diskutierten Sache und Geschäftspraxis zu tun.
zu 6: Hm. Wenn die Förderung von Querdenkern das Ziel von Herrn Ehrl ist, dann wiederspricht er sich. Abgesehen davon ist das Querdenken nicht “eine Initiative” sondern eine angenehme Charaktereigenschaft von einzelnen Menschen.
zu 7: Nicht “Querdenken” ist geschützt, sondern “Business Querdenken”. Wir wollen schon genau bleiben, nicht wahr. Um noch genauer zu werden: Anmeldetag von beiden war Mitte 2004 (Querdenker im April, Business Querdenken im September). Offensichtlich war das Markenamt 2004 nicht wirklich auf Zack. Wichtiger aber: das Ergebnis zählt. Der eine nutzt die Anmeldung zu Abmahnungen der andere nicht.
Doc Sarah - Querdenkerin aus Düsseldorf
Mittwoch, 27. 01. 2010 20:01
zu der sogenannten richtigstellung see: http://www.innovativ-in.de/blog/2010/01/25/unglaublich-aber-wahr/ or http://www.doc-sarah-schons.de/blog/2010/01/querdenker-titelschutz-und-das-dpma-schilda-live/ - via twitter folgt er allen kommentatoren des mainthreads als @querdenkerclub - ich hab ihn geblockt - ich mag kein flamen, spammen und alles, was da sonst auffährt von seiner seltsamen front.
Otmar Ehrl aus München
Mittwoch, 27. 01. 2010 13:01
STELLUNGNAHME
Da Frau Wiegand nicht bereit ist, hier eine Richtigstellung vorzunehmen und es wissentlich zulässt, dass uns böswillige Absichten unterstellt werden, möchte ich hiermit zur Aufklärung beitragen. Auch das gestrige wohlwollende Telefonat konnte Frau Wiegand zu unseren großen Bedauern nicht dazu bewegen, den irreführenden Ausführungen im Rahmen eines angemessenen Verhaltens zu entgegnen:
1. Frau Wiegand wurde nicht von uns abgemahnt, sondern hat uns angerufen, um eine weitere
Verwendung des Begriffs als Titel bzw. Headline für Ihre Veranstaltungen und Ihre Talk-Reihe abzustimmen. Dieses Gespräch war äußerst kollegial.
2. Wir freuen uns unheimlich darüber, dass sich soviele mit dem Begriff QUERDENKER
indentifizieren und ihn als Bezeichnung für sich benutzen. Diesen Begriff kann auch jeder
für sich persönlich ohne Einschränkungen weiterhin verwenden. Dies hat mit unserer Marke
auch in keinster Weise etwas zu tun, wie hier irrtümlich suggeriert wird.
3. Wir veranstalten in 2010 über 100 QUERDENKER-Events und mussten feststellen, dass seit Mitte letzten Jahres viele Veranstalter Ihre Events auch unter dem Titel bzw. der Headline QUERDENKER-… platziert haben. Aufgrund dessen erreichen uns inzwischen laufend Beschwerden von verärgerten und irritierten Teilnehmern, die uns hierfür verantwortlich machen bzw. uns als Veranstalter wahrnehmen. Deshalb können wir es nicht zulassen, dass dieser Begriff für Veranstaltungs-Formate im Titel bzw. oder in der Headline benutzt wird und deshalb zu einer Verwechslungsgefahr mit unseren Veranstaltungen führt.
4. Mit über 150.000 Mitgliedern und Freunden des QUERDENKER-Clubs wurde in den letzten Jahren das größte QUERDENKER-Netzwerk geschaffen. Es ist irritierend, wenn nun viele Unternehmen, so sehr wir dessen Leistungen respektieren und schätzen, nun den Begriff QUERDENKER für sich gewerblich nutzen.
5. Wir haben eine QUERDENKER-Stiftung gegründet und unterstützen damit Kinder, Schüler und Studierende, um die wichtigste Ressource in unserem Land zu fördern. Damit unterstreichen wir auch unsere soziale Verantwortung und finanzieren dies durch all unseren Aktivitäten. Wir wollen das Querdenken fördern und nicht blockieren.
6. Wir sind auch kein “abmahnwütiges” Unternehmen, sondern müssen lediglich unsere Interessen schützen, wenn jemand unsere Initiative oder unsere Aktivitäten für eigene Zwecke oder Geschäftsmodelle nutzt.
7. Wir sind lediglich Markeninhaber der Marke “Querdenker” seit 2004. Die Marke Querdenken wurde von Dr. Peter Kreuz (der Partner von Anja Förster) ebenfalls in 2004 geschützt.
Wir betonen nochmals, wie wir es auch gegenüber Frau Wiegand getan haben, unsere höchste Wertschätzung und Respekt für Ihre Aktivitäten.
Viele quer-gedachte Grüße
Otmar Ehrl
Elita Wiegand aus Düsseldorf
Dienstag, 26. 01. 2010 21:01
Liebe Jana, toll, dass Du hier einen Beitrag über das Querdenker-Dilemma veröffentlicht hast. Nach wie vor bin ich sprachlos, dass das Wort "Querdenker" so einfach geschützt werden kann. Und ich finde es gut, dass wir uns mit der gesamten Web 2.0 Power dagegen wehren. Dagegen hat das "old Business" kaum eine Chance, denn im Web verbreiten sich heute die Nachrichten schneller - danke für Dein Engagement.
ana h. aus berlin
Dienstag, 26. 01. 2010 19:01
es ist gut,dass sie sich wehren wird.gehört die sprache nicht jedem, dem ganzen volk? sowas wie diese verbote, worte nicht mehr benutzen zu dürfen, hat nichts mehr mit freiheit und demokratie zu tun.ich will jedes wort aus meiner mundart nutzen dürfen, wie ich es will.natürlich gehört auch querdenker zum normalen sprachgebrauch...meine unterstützung hat sie auch. lg. ana






