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Kelles Suppenmanufaktur: Erfolg mit Hochzeitssuppe

Portrait Minifirma

2007 stand der Gasthof "Zum Feinschmecker" aus Kläden in der Altmark vor dem Aus. In letzter Minute greift Antje Mandelkow ein Glas Suppe und fährt damit in den nächsten Supermarkt

"Ich fahre jetzt ins Amt und melde unsere Insolvenz an." Im Juli 2007 will Wolfgang Mandelkow gerade ins Auto steigen, als Antje Mandelkow ihn zurückhält: "Warte noch einen Tag", sagt sie zu ihm. Wolfgang Mandelkow ist Koch, hat gleich nach der Wende 1990 das Gasthaus gekauft. Doch Gastronomie in den kleinen Dörfern läuft schlecht. Einzig die Hochzeitssuppe rettete seit Monaten die Existenz. Auf jedem Fest, jedem Markt war die Suppe beliebt. Das Rezept hatte Wolfgang Mandelkow von seiner Mutter gelernt: kräftige Hühnerbrühe, frischer Spargel, kleine Klößchen und wolkenleichter Eierstich. Ein paar Gläser hatte Wolfgang Mandelkows eingekocht. Mit diesen Gläsern hatte seine Frau einen Plan.

"Wir haben nichts mehr zu verlieren!"
Am nächsten Morgen stand Antje Mandelkow früh auf, frisierte und schminkte sich, zog ihre besten Sachen an. Dann griff sie sich ein Glas Hochzeitssuppe und fuhr damit in den nächsten größeren Supermarkt. Wolfgang schüttelte ungläubig seinen Kopf: "Die schmeißen dich raus", ruft er seiner Frau hinterher. Antje Mandelkow ruft zurück: "Wir haben nichts mehr zu verlieren!" Die Chefin des Supermarktes ist freundlich: "Sie haben Glück, unser Marktmanager ist gerade da", sagt sie zu Antje Mandelkow. Wenig später sitzen sie zu dritt an einem Tisch. Der Manager schnuppert an der Suppe, kostet. Antje Mandelkow zittern vor Aufregung die Knie. Lange kostet der Mann. Dann fragt er: "Wie viele Gläser können Sie produzieren?" Antje Mandelkow holt tief Luft. Über diese Frage hatten sie noch nie gesprochen. Selbstbewusst antwortet sie: "Locker 1000 in der Woche."

"Ohne unsere Familie hätten wir es nie geschafft"
Der Manager steht auf, verlässt den Raum. "Das war‘s", denkt Antje Mandelkow traurig. Doch dann kommt der Manager wieder: "Die Suppe ist köstlich. Klären Sie alle Rahmenbedingungen, wir verkaufen Ihre Suppe." Er hatte in der Zwischenzeit einen Mitarbeiter die Suppe kosten lassen. An diesem Tag ändert sich das Leben der Mandelkows. Plötzlich haben sie Stress. Sie kaufen einen 20 Jahre alten Einkochautomaten, beantragen einen Strichcode, lassen die Suppe im Labor prüfen, bezahlen die Gebühren für den Grünen Punkt und lassen Etiketten drucken. Fast 30 000 Euro kostet das alles. Dabei wissen die Mandelkows nicht einmal, wovon sie das Benzin bezahlen sollen. "Ohne unsere Familie, meine zehn Geschwister, die jeder ein bisschen dazugegeben haben, hätten wir das nie geschafft." Am 8. Dezember 2007 liefern sie die ersten 48 Gläser in den Supermarkt. Schon zwei Monate später sollen sie 600 Gläser liefern. Tag und Nacht schuften sie. Wolfgang Mandelkow kocht die Brühe. Antjes Brüder Olaf und Ronald schneiden Spargel und Eierstich, füllen damit die Gläser. Mutter Renate klebt die Etiketten. Die Hochzeitssuppe läuft so gut, dass Antje Mandelkow am 13. Februar 2009 "Kelles Klädener Suppenmanufaktur" gründet. Ende 2010 gewinnt sie den Existenzgründerpreis.

"Wir haben einen neuen Weg gewagt"
Der alte Einkochautomat ist längst zu klein geworden. Deshalb haben Antje und Wolfgang Mandelkow letztes Jahr einen Kredit aufgenommen und die alte Gaststätte zu einer modernen Großküche umgebaut. Heute verkaufen sie 30 000 Gläser und Dosen im Monat: Hochzeitssuppe, Frikassee, Erbsen- und Bohnensuppe. Acht verschiedene Gerichte bieten sie an. "Heute bin ich froh, dass ich Wolfgang im Sommer 2007 gehindert habe, die Insolvenz anzumelden", sagt Antje Mandelkow stolz."„Der Mut, einen neuen Weg zu gehen, hat sich gelohnt."

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