– damit war die 23-jährige Belinda Berger glücklich. Zehn Jahre später bricht sie aus diesem Leben aus, absolviert ein Studium der Keramik. Mit Kühen, Schweinen und Schafen erobert sie jetzt die Welt.
Belinda Berger holt das Landleben von der Weide auf den Küchentisch. Das Museum „Art & Design“ in Manhattan hat einige ihrer Werke ausgestellt. Auf der „Origin Craft“ in London, einer der international führenden Kunstmessen Europas, findet ihr elegantes Steinzeug reißenden Absatz. Und nun war Belinda Berger Ende Januar 2010 mit ihren Viechern in New York bei der „Gifts Fair“. Als einzige Keramikerin aus Niedersachsen! Die unglaubliche Erfolgsgeschichte einer Frau, die sich vor 15 Jahren von ihrem Ex-Mann anhören musste: „Du machst sowieso alles falsch!“
Ich habe das Lebensmuster meiner Mutter gelebt
Dabei war sich Belinda mit 23 Jahren sicher, dass Mann, Kind und Haus sie glücklich machen würden. „Ich lebte das Lebensmuster meiner Mutter. Sie war immer für uns drei Kinder da. Hatte sogar ihren Traum von einer Boutique aufgegeben, als sie merkte, dass ihr zu wenig Zeit für die Familie blieb.“ Belinda wächst mit diesen Ansichten auf. Sie macht eine Ausbildung zur Erzieherin, arbeitet in einem evangelischen Jugendheim als Erzieherin. Als Tochter Iona 1990 geboren wird, gibt sie ihren Job auf. Während ihr Mann an seiner Doktorarbeit sitzt, kümmert sich Belinda um die Tochter, hält das Haus in Ordnung, erledigt Einkauf, Wäsche, Kochen. Doch im Laufe der Jahre spürt Belinda, wie ihr eigenes „Ich“ immer mehr zwischen Staub wischen und Hausaufgabenkontrolle verloren geht. „Mein Selbstbewusstsein war zerstört. Ich konnte nicht mit Computern umgehen, hatte keine Ahnung von Buchhaltung oder Steuern.“ Von ihrem Mann bekommt Belinda immer öfter Abfälliges zu hören: „Mach am besten gar nichts. Denn wenn du etwas machst, machst du es sowieso falsch!“
Der Ausbruch
Schließlich knallt es 1996. Belinda trennt sich von ihrem Mann. Als er auszieht, ist sie plötzlich allein. Und erst einmal verzweifelt: „Ich konnte nichts, traute mir nichts zu.“ Zwei Jahre geht sie durch ein emotionales Tief. Sie bewirbt sich in Düsseldorf um ein Kunststudium. Die Ablehnung ist hart: „Sie sind zu alt.“ Trotzdem forscht sie weiter. Und schreibt sich schließlich in Cornwall am bekannten „Falmouth College oft Arts“ ein. Mit dem kleinen Erbe ihrer Mutter finanziert sie das Studium. „Meine Freunde und die ganze Familie schüttelten den Kopf. Du riskierst deine Sicherheit!“ Doch Belinda lässt sich nicht mehr abbringen. Belinda macht den Bachelor of Art. Und zieht dann wieder zurück nach Deutschland – der Tochter wegen, die hier das Abitur machen will.
Belinda bewegt
Die Frau, die nun wieder nach Deutschland kommt, ist eine andere: selbstbewusst, mutig, kreativ. Sie kauft eine 250 Jahre alte, verfallene Stellmacherei im Ammerland bei Oldenburg, baut das alte Fachwerkhaus zu Galerie und Werkstatt aus. In ihren ersten künstlerischen Arbeiten setzt sie sich mit Ereignissen auseinander, die sie bewegen. In einem Zeitungsartikel las sie von einem Vater, der sein getötes Kind in die Gefriertruhe gelegt hatte. Der Schock lässt sie Nächte nicht schlafen.
So entstehen 2007 „Die Kinder in Stein“. In der Serie „people“ setzt sie sich mit menschlichen Beziehungen auseinander. „So, wie ich meinen Ton in Rillen presse, so pressen wir Menschen in ihre Rollen.“ Kunstwerke, die berühren, die verstören, die bewegen. Kunstwerke, über die man spricht.
Kühe im Garten
Aber: Von Kunst allein ist es schwer, zu leben. Belinda sucht nach einer Idee, die gebraucht wird. Und dann passiert etwas Kurioses: „Eines Tages kam ich nach Hause und hatte Besuch. In meinem Garten standen 88 Kühe, knabberten an meinen Blumen, trampelten auf der Wiese. Das Gatter der benachbarten Weide hatte sich geöffnet.“ In diesem Moment ist die Idee zu „Country Life“ geboren. „Zu meinem Ammerländer Landleben gehören grasende Kühe, freilaufende Hühner, grunzende Schweine 
und wollige Schafe.“ Das Schwein bekommt eine verschmitzte Schnauze, die liegende Kuh hat die Hufe gemütlich angewinkelt und das Schaf hat neugierige, große Ohren. Trockener Humor, den Belinda Berger aus England mitgebracht hat. „Als ich mein Studium abgeschlossen hatte,
hat mein ehemaliger Professor uns zwei Ziele mit auf den Weg gegeben: man sollte in England auf der Origin und in New York ausgestellt haben. Beides habe ich erreicht. Wer hätte gedacht, dass eine überzeugte Hausfrau, wie ich es mal war, das schafft.“
Im November 2010 zeigt Belinda Berger ihre Werke im Philadelphia Museum of Art in der „Craft Show“
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